Zwischen den (Lehr-)Stühlen
Die Bioinformatik ist, wie man schon an ihrem zusammengesetzten Namen unschwer erkennen kann, eine Wissenschaft, die ihre Beobachtungsobjekte und Methoden aus unterschiedlichen Fachgebieten bezieht. Daraus ergibt sich folgerichtig, dass der Studiengang Bioinformatik interdisziplinär angelegt ist. Welche Konsequenzen das in der Praxis haben kann, musste ich in der vergangenen Woche erfahren.
Die Klausurergebnisse der Veranstaltung “Einführung in die molekulare Zellbiologie” überraschten nicht nur durch ihren katastrophalen Durchschnitt, sondern auch durch das irritierende Detail, dass alle Studenten eine “gerade” Note erhalten hatten:
1,0 - 2,0 - 3,0 - 4,0 und 5,0, alles war vertreten. Aber wo waren die Zwischenstufen abgeblieben? Wie konnte es sein, dass niemand ein 3,7 oder eine 2,3 hatte?
Auf meine Nachfrage hin erklärte mir der Professor, dass er bisher nur Studenten seiner eigenen Fakultät unterrichtet habe, und dort sei es nicht üblich abgestufte Noten zu vergeben.
In diesem Fall waren die Unterschiede zwischen Fakultät 6 (Mathematik, Informatik) und Fakultät 8 (Chemie, Pharmazie, Bio- und Werkstoffwissenschaften) nicht essentiell und durch einen großzügigen Vorschlag des Profs zur abgestuften Benotung auch schnell überwunden. Es war nicht einmal nötig, ihn darauf hinzuweisen, dass die Studienordnung der Bioinformatiker die Vergabe von abgestuften Noten vorschreibt.
Andere Punkte scheinen mir grundlegender und weniger offensichtlich.
Dazu demnächst mehr…
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