Bioinformatik 2
Dozent: Prof. Dr. Dr. Thomas Lengauer
Semester: Sommer ‘08
Website: http://bioinf.mpi-inf.mpg.de/teaching/bioinf2_2008.php
Im Vorfeld dieser Vorlesung haben einige meiner Kommilitonen die Hoffnung geäußert, dieses Jahr wäre ein anderer Professor als Dozent an der Reihe. Dem war aber nicht so, und das war auch gut so!
Vor Prof. Lengauer haben die Studenten berechtigterweise Respekt: Er hat viel für die Etablierung der Bioinformatik in der deutschen Forschungslandschaft getan und ist seit 2001 hochdekorierter Oberforscher (sprich: Direktor) des auf dem Campus angesiedelten Max-Planck-Instituts Informatik.
Er hat nicht nur hohe Ansprüche an sich - sondern bekanntermaßen auch an seine Studenten.
Preisgeld für hervorragende Leistungen
Prof. Lengauer hat erreicht, dass es Preisgelder zu gewinnen gab, die aus Studiengebühren finanziert wurden.
Die 3 Teilnehmer mit den besten Klausurergebnissen in der Hauptklausur sollten jeweils einen Preis von je 1.200,- EUR erhalten. Da jedoch 3 Leute mit gleich guten Leistungen den dritten Platz belegten, hat man unter ihnen fair geteilt. Jeder von ihnen bekam 400,- EUR. So konnten also gleich 5 Hörer der Vorlesung gefördert werden.
Das Geld musste allerdings im engeren Sinne “studienbezogen” ausgegeben werden: z.B. für den Besuch einer Konferenz oder für relevante Bücher. Auch mein Antrag, mir davon einen Laptop kaufen zu dürfen, wurde bewilligt. Studiengebühren und Semesterbeitrag wurden merkwürdigerweise nicht als Studienausgaben im engeren Sinne angesehen.
Ob zukünftige Hörer der Vorlesung ebenfalls die Chance auf ein Preisgeld bekommen werden, ist ungewiss.
Je nachdem, welche der möglichen Koalitionen (Große Koalition, Jamaika oder Links-Bündnis aus SPD, Linken und Grünen) das Saarland nach der Regierungsbildung führen wird, steht jedenfalls eine Finanzierung aus Studiengebühren nicht mehr zur Verfügung. Alle Teilnehmer des möglichen und wahrscheinlichen Links-Bündnisses sind Gegner der Campus-Maut, aber auch in der CDU stellt man die Gebühren mittlerweile zur Disposition.
Vielleicht wird es auch andere Finanzierungsmöglichkeiten geben. Ein Indiz dafür ist, dass es auch vor Einführung der Gebühren zum Wintersemester ‘07/’08 schon eine Auszeichnung der besten Leistungen gab.
Ohne Fleiß kein Preis
Für die finanzielle Belohnung musste man allerdings erst einmal einiges leisten.
Es gab pro Woche 4 Stunden Vorlesung und 2 Übungsstunden ohne Anwesenheitspflicht. Um an der Klausur teilnehmen zu dürfen, musste man 50% der in den Übungsblättern erreichbaren Punkte sammeln. Die Übungsblätter wurden von stets wechselnden Tutoren betreut, die alle in Prof. Lengauers Arbeitsgruppe “Computational Biology & Applied Algorithmics” arbeiten. Bis auf ein oder zwei Ausnahmen waren alle Tutoren sehr engagiert. Nicht nur die Vorlesung selbst, sondern auch die Übungen deckten ein breites Sprektrum an Problemstellungen und Lösungsmöglichkeiten ab.
Die Vorlesung wurde aus Rücksicht auf einige Hörer aus dem Ausland mit allgemeinem Einverständnis in Englisch gehalten, die Klausur wurde auch in Deutsch angeboten.
Die Klausur war wie erwartet sehr anspruchsvoll. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer wäre beim ersten Versuch durchgefallen, wenn man nicht die vor der Klausur festgelegte Bestehensgrenze nachträglich gesenkt hätte.
Die, bei denen es dann immer noch nicht gereicht hat, erhielten in der Nachklausur eine zweite Chance.
Mein Fazit: Es lohnt sich, Bioinformatik 2 bei Prof. Lengauer zu hören.
Die Veranstaltung war durchweg gut organisiert. Das klingt banal, aber im Laufe meines Studiums habe ich gelernt, dass gut organsierte Vorlesungen in unserem Hochschulsystem eine Seltenheit sind.
Prof. Lengauer hält außerdem gründlich vorbereitete Vorlesungen und hat die Fähigkeit, seine Zuhörer jedes Mal für anderthalb Stunden auf eine kleine Reise die Tiefen der Bioinformatik mitzunehmen.
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